14. Rheinische Allgemeine PSYCHOtherapietage

14-rap-2008Lieben oder verwahrlosen?

23. bis 25.Oktober 2008, Bonn
FlyerAbstracts

Die öffentliche Meinung scheint eindeutig: Verwahrlosung greift um sich!
10 bis 20 % der Kinder seien verwahrlost, melden die Medien. Ein alter Labeling-Begriff scheint wieder en vogue zu sein. Rudi Dutschke hatte noch eine Antwort auf den Vorwurf, er sei „verlaust“: Die Herrschenden versuchten so Minderheiten an den Rand der Gesellschaft zu drücken, meinte er.
In der Psychotherapie gibt es den Begriff des Menschen „auf niedrigem Strukturniveau“. Er zeigt die Angst und die Hilflosigkeit, die Mitmenschen mit Problemen bei uns hervorrufen, wenn wir aufgefordert sind, Ihnen psychischen Beistand zu leisten.
Psychotherapie für Verwahrloste gibt es nicht! Aber Wohlstandsverwahrloste schon. Die mittelstandsorientierte, bürgerlich verankerte Psychotherapie kann sich aus ethischen Gründen Verwahrlosungsproblemen nicht verschließen.
Welche Antworten finden PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen auf verwahrloste Alte, verwahrloste psychisch Kranke und gesellschaftliche Strukturen, die zu verwahrlosen scheinen?
Gilt die alte Effizienzformel der Psychotherapiewirkungsforschung: „Wer hat dem wird gegeben“ mit der Ergänzung, „Wer nichts hat, bekommt nichts!“?
Oder verdrängen wir nur unsere eigenen Verwahrlosungstendenzen und die Angst, unter verwahrlosenden Umweltbedingungen mit zunehmenden Alter selbst zu verwahrlosen?
Vielleicht sollten wir helfen, ein Missverständnis zu klären: Verwahrlosung ist nicht selbstverschuldet und schicksalhaft, sondern könnte ein Indikator für psychische Überforderung, psychische Belastung und psychische Störung sein, der wir effektive Therapien in Psychotherapie und Psychiatrie entgegensetzen können!

Wir freuen uns über Ihre Beiträge!
Dr. Jürgen Junglas, Gerhild von Müller, Reiner Schwarz, Dr. Karin Junglas, Ulrike Weinhold

23.10.08: Vorsitz Dr. Jürgen Junglas

09:00 – 12:30 h
Jürgen Junglas, Bonn: Du lässt Dich geh’n – aber der Nowak lässt mich nicht verkommen!
Wilma Wirtz-Weinrich, Bonn: Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Internet/Chat – Gefahren durch „sexuelle Verwahrlosung“?

Norbert Berg, Frederike Trautmann, Bonn: Frühe Intervention bei Traumaopfern
Wilma Wirtz-Weinrich, Anke Voßhenrich, Bonn: Umgang mit Sexualität und „sexueller Verwahrlosung“ in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen (Workshop)

14:00 – 17:30 h
Gerhard Lauth, Köln: Verantwortungsübernahme von Eltern über Jugendliche
Ingo Franke, Bonn: Die „Kinderschutzgruppe“
Petra Walger, Bonn: Ist das Konzept der Früherkennung bei juvenilen Psychosen Fürsorge?

Martina Ibsch, Susanne Ricken, Inga Abels, Königswinter: Ordnung – Unordnung – Vermüllung. Ausdruck der persönlichen Individualität? (Workshop)
A. Schmitz-Petzchen, C. Liertz, A. Wagner, Bonn: Frühe Hilfen für Kinder psychisch kranker oder süchtiger Eltern
Franz Söder, Bonn: Akzeptanz dissozialen Verhaltens in der Jugendkultur

24.10.08: Vorsitz Reiner Schwarz

09:00 – 12:30 h
Reiner Schwarz, Köln: Psychodynamik der Verwahrlosung
Christoph Schürmann, Bonn: Schüler verweigern den Schulbesuch! – Was tun?
Rolf Tüschen, Bonn: Die Familie des Ödipus – ein gerontopsychiatrischer Problemfall

Armin Claus, Köln: Tiere im Kontakt mit verwahrlosten oder von Verwahrlosung bedrohten Jugendlichen
Reiner Schwarz, Köln: Verwahrloste in Therapie und Beratung
Karoline F. Spiske, Bonn: Verwahrlosung bei Suchterkrankten (Workshop)

14:00 – 17:30 h
Udo Schmitz, Bonn: Adipositas – Eine moderne Form der Verwahrlosung?
Tobias Wustmann, Halle/Saale: Verwahrlosung, Vermüllung und Horten
Bertram von der Stein, Brigitte Klein, Köln: Hinter der Fassade der Normalität. Frühe Nazierziehung der Großeltern, elterliches Abwehrverhalten und Verwahrlosung und Dissozialiät bei den Enkeln

Marita Halfen, Bonn: Sozialarbeit mit von Verwahrlosung bedrohten alten Menschen
Bertram von der Stein, Brigitte Klein, Köln: Verwahrlosungstendenzen hinter der Fassade kleinbürgerlicher Moral (Workshop)
Rolf Tüschen, Bonn: Seelische Verwahrlosung – Triebschicksale im Alter

25.10.08: Vorsitz Gerhild von Müller

09:00 – 12:30 h
Detlef Hover, Stuttgart:
„Sexuelle Verwahrlosung“ im Dritten Reich
Jürgen Vogt, Köln: Zur Psychologie des Kochens und Essens
Winfried Schmidt, Hövelhof: Kann im Strafvollzug der Verwahrlosung entgegen gewirkt werden?

Hartwig Wennemar, Marienheide
: Hospitalismus im Alter
Ernstbernard Rosen, Bonn: „Ohne Liebe ist alles Nichts!“
Winfried Schmidt, Hövelhof: Strafvollzug und Verwahrlosung (Workshop)

13:00 – 15:00 h
Anne M. Lang, Bonn: Über die Konsequenzen von Interesse und Empathie, Ignorieren und Vernachlässigen
Bernhard Wegener, Berlin: Psychiatrischer Verwahrlosungsbegriff und soziale Dis-/Inkrimination

Abschluß Fishbowl

Referentinnen und Referenten

Inga Abels, Königswinter
Norbert Berg, Bonn
Dr. Armin Claus, Köln
Dr. Ingo Franke, Bonn
Marita Halfen, Bonn
Detlef Hover, Stuttgart
Martina Ibsch, Königswinter
Brigitte Klein, Köln
Dr. Jürgen Junglas, Bonn
Anne M. Lang, Bonn
Prof. Dr. Gerhard Lauth, Köln
Christoph Liertz, Bonn
Susanne Ricken, Königswinter
Dr. Ernstbernard Rosen, Bonn
Winfried Schmidt, Hövelhof
PD Dr. Udo Schmitz, Bonn
Andrea Schmitz-Petzchen, Bonn
Christoph Schürmann, Bonn
Reiner Schwarz, Köln
Dr. Franz Söder, Bonn
Dr. Karoline F. Spiske, Bonn
Frederike Trautmann, Bonn
Dr. Rolf Tüschen, Bonn
Jürgen Vogt, Köln
Dr. Bertram von der Stein, Köln
Anke Voßhenrich, Bonn
Dr. A. Wagner, Bonn
Dr. Petra Walger, Köln
Dr. Dr. Bernhard Wegener, Berlin
Hartwig Wennemar, Marienheide
Wilma Wirtz-Weinrich, Bonn
Dr. Tobias Wustmann, Halle/Saale